Krankenhaus Krankenhäuser

Wie muss eine rechtlich korrekte Patienten-Übergabe in einer Behandlungseinrichtung ablaufen (RD-Event, akute Krankentransporte)?

Der Patient / Die Patientin gilt als übergeben, wenn sie/er an eine fachliche legitimierte Person übergeben wurde bzw. von dieser in ihre Obhut übernommen wurde. Als fachlich legitimierte Person ist in jedem Falle der Facharzt anzusehen, jedoch auch der Assistent, der Turnusarzt sowie diplomiertes Pflegepersonal. Eine Übergabe an PflegehelferInnen, Famulanten, PflegeschülerInnen ist nicht zulässig d.h. im Zweifelsfalle ist die fachliche Kompetenz/Zuständigkeit für die Übergabe vom Sanitäter zu hinterfragen.

Wie soll die Übergabe erfolgen ?

Die Übergabe von Notfallpatienten soll nach dem ABCDE-Schema erfolgen. Weiters sind getroffene Maßnahmen sowie relevante Begleitumstände mitzuteilen.

  1. Vorstellung des Patienten
  2. Information über den Notfallort
  3. ABCDE-Schema
  4. gesetzte Maßnahmen
  5. Transportverlauf und Besonderheiten

Je nach regional üblicher Gesprächskultur sind weitere Informationen wünschenswert/möglich. In jedem Falle muss die Übergabe alle relevanten Informationen enthalten, die für die Diagnosestellung und weitere Therapie des Patienten wichtig sind (siehe SanG §7 – Auskunftspflicht).

Wichtig: Bis zur ordnungsgemäßen Übergabe des Patienten bleibt die volle Verantwortung beim Rettungspersonal.

Wer ist für das Umlagern verantwortlich?

2017-09-27 10.30.31.jpgDie Übergabe ist meist mit dem Umlagern des Patienten vom Tragsessel/Krankentrage verbunden. Keine ausdrückliche Regelung gibt es zur Frage der Bedeutung des Umlagerns vom Tragsessel/der Krankentrage auf die Ambulanzliege bzw. Krankenbett. Sie kann die Übergabe (Informationsweitergabe w.o. beschrieben) jedenfalls nicht ersetzen das bedeutet: „im Bett“ heißt also keinesfalls zwangsläufig „übergeben“. Ebenso gibt es keine ausdrückliche Regelung, wer für das Umlagern selbst verantwortlich ist. Anzustreben ist, dass dieses Umlagern von beiden Seiten (Rettungsdienst und Pflege) gemeinsam durchgeführt wird. Aus Sicht des Rettungsdienstes empfiehlt es sich, nach Möglichkeit bei medizinisch problematischen Patienten die Übergabe vor der Umlagerung durchzuführen. Sollte der Patient vor der ordnungsgemäßen Übergabe vom RD-Personal bereits umgelagert werden, so liegt die Umlagerung in der Verantwortlichkeit des RD-Personals.

Wichtig: Ein Umlagern per Rautek-Griff ist jedenfalls ein Sorgfaltsverstoß (darf bei einer Umlagerung nicht angewendet werden), für eine dadurch entstehende Verletzung (z.B. Knochenbruch) haftet der jeweilige Sanitäter.

Wie muss die Übergabe dokumentiert werden?

Die Übergabe selbst sollte aus Gründen von Haftungsfragen am Protokoll vermerkt bzw. bestätigt werden (Bsp.: Übergabe nach ABCDE inkl. besonderem Hinweis auf …, an DGKP Fr. xyName um xx:xx Uhr erfolgt). Eine Kopie des Sanitäterprotokolls sollte zur Sicherstellung der in der Präklinik erhobenen Informationen, sowie der gesetzten Maßnahmen bei der Krankengeschichte des Patienten verbleiben. Der Vermerk über einen verweigerten Stempel bzw. Unterschrift hat keine Aussagekraft betreffend einer korrekt erfolgten Übergabe.

Muss ich eine Kopie des Einsatzprotokolls bei der Übergabe übergeben?

Eine derartige Vorgangsweise ist rechtlich nicht zwingend vorgesehen. Um späteren Diskussionen zu entgehen ob relevante Informationen dem fachlich legitimierten Personal mitgeteilt wurden, sollten diese vollständig am Einsatzprotokoll vermerkt sein und beim Patienten verbleiben, damit diese Informationen auch noch vorhanden sind wenn die MitarbeiterInnen des Rettungsdienstes die Gesundheitseinrichtung verlassen haben.

Wer ist für das Kopieren des Einsatzprotokolls zuständig?

Üblicherweise befinden sich in Verwaltungsbereichen der Ambulanzen und Stationen der Gesundheitseinrichtungen der Landeskliniken Holding Kopiergeräte. Diese stehen üblicherweise – nach Rücksprache mit dem fachlich legitimierten Personal der Gesundheitseinrichtung – zum Anfertigen einer Kopie des Einsatzprotokolls zu Verfügung.

Wie erfolgt die Übergabe bei „geplanten Krankentransporten“?

Bei Krankentransporten in Ambulanzen (z.B. Nachbehandlung) wird der Patient üblicherweise bei einem Schalter „angemeldet“. Eine „Übergabe“ findet hier in den seltensten Fällen statt (Ausnahme: Patienten mit Betreuungsbedarf), da i.d.R. keine fachlich legitimierte Person vor Ort ist und die Anmeldung bei einer Schreibkraft erfolgt.

Am Sanitäterprotokoll ist zu vermerken (sinngemäß solange die entsprechenden Felder auf dem Protokoll fehlen):

Patient wurde am Schalter xxxxxxx um xx.xx angemeldet.

Der Patient ist zeitlich und örtlich orientiert, kann sich bei Bedarf selbst artikulieren und an die Schalterkraft wenden und bedarf zum Anmeldezeitpunkt keiner Betreuung.

Wie ist die Vorgangsweise bei der Verweigerung der Unterschrift durch das fachlich legitimierte Personal am Einsatzprotokoll des Rettungsdienstes?

Grundsätzlich sollten solche Situationen gar nicht entstehen. Sie sind meist Ausdruck dafür, dass in der Kommunikation zwischen Rettungsdienst und fachlich legitimierten Personal der Gesundheitseinrichtung etwas schief gelaufen ist. In jedem Falle ist die Verweigerung, sowie alle Maßnahmen seitens des Rettungsdienstes um eine ordnungsgemäße Übergabe zu gewährleisten, zu protokollieren. Weiters ist eine entsprechende Mitteilung an LEO zu machen um diesen Vorfall bei den Einsatzdaten zu vermerken bzw. der Journalarzt zu informieren, der Rücksprache mit der Gesundheitseinrichtung führt, um sicherzustellen, dass der Patient in die Obhut der Gesundheitseinrichtung übernommen wurde.

Kann ich als Sanitäter selbst die Übergabe des Patienten auf dem Einsatzprotokoll bestätigen?

Auf dem Einsatzprotokoll sind Felder für die MitarbeiterInnen des Rettungsdienstes vorgesehen. Die eigene Unterschrift auf dem Stempel der Gesundheitseinrichtung stellt den Tatbestand der Urkundenfälschung dar und ist ein gerichtliches Strafdelikt.

Muss ich eine Unterschrift vom fachlich legitimierten Personal einholen?

Diesbezüglich gibt es keine einheitliche Regelung der einzelnen Rettungsdienste und Dienststellen. Der Vorteil der Unterschrift (gegenüber Stempel ohne Unterschrift): Man kann sie sich nicht „holen“, der Unterschreibende muss sich bei der Unterschriftsleistung Gedanken über die haftungsrechtlichen Konsequenzen gemacht haben => augenscheinlich wurde der Patient ordnungsgemäß übergeben (sonst wäre wohl keine Unterschrift geleistet worden).

Welchen Vorteil bringt eine umfassende Dokumentation am Einsatzprotokoll?

Diese Dokumentation wird – wie bekannt – aufbewahrt und muss auf Verlangen dem Patienten ausgehändigt werden. Selbstverständlich gilt dies auch für eine richterliche Anforderung. Nur Maßnahmen, die dokumentiert werden, sind im Streitfall nach herrschender Rechtsprechung auch gesetzt worden; der grundsätzliche Gegenbeweis wird wohl meist misslingen.

Daher: MitarbeiterInnen der Rettungsdienste sollten im eigenen Interesse diese Protokolle/Dokumentationen genau und gewissenhaft ausfüllen bzw. mit Informationen ergänzen. Die ordnungsgemäße Übergabe des Patienten liegt im Beweisinteresse des Rettungsdienstes.

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