Spezielle Krankheiten

Affenpocken

Bereits 1958 wurde die Erkrankung erstmals in zu Forschungszwecken gehaltenen Affenkolonien in Dänemark festgestellt, beim Menschen wurde sie erst 1970 entdeckt. Der Erreger ist ein Virus.

Das Affenpockenvirus ist ein zoonotisches Virus mit doppelsträngiger DNA. Es gehört zur Familie Poxviridae und ähnelt den Variola-, Kuhpocken- und Vacciniaviren. Eine Übertragung von Tier zu Mensch, aber auch von Mensch zu Mensch ist möglich.

Das Virus kommt hauptsächlich in den tropischen Regenwaldgebieten Zentral- und Westafrikas bei Nagetieren oder Primaten vor.

Ist das eine neue Erkrankung?

Nein. Immer wieder werden in anderen Ländern Menschen mit Affenpocken identifiziert, nachdem sie in Regionen gereist sind, in denen die Affenpocken endemisch sind.

Zwischen 1970 und 1986 konnten zum Beispiel über 400 Fälle beim Menschen nachgewiesen werden. 2003 gab es einen Affenpocken- Ausbruch in den USA mit 71 Fällen in sechs Bundesstaaten. Damals hatte ein Händler gambische Beutelratten in die USA eingeführt und zusammen mit Präriehunden untergebracht. Dort kam es dann zur Übertragung auf die Hunde und vom Hund dann auf den Menschen.

Wieso reden gerade alle von Affenpocken?

Seit Anfang Mai 2022 wurden mehrere Fälle von Affenpocken gleichzeitig in mehreren nicht endemischen (auch europäischen) Ländern, festgestellt. Dies war bisher nicht typisch für Affenpocken.

Welche Symptome hat man bei einer Infektion?

Typisch sind Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit zusammen mit charakteristischen Hautveränderungen.

Es kommt in der Regel zunächst zu plötzlich einsetzendem hohem Fieber mit starken Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten und Unwohlsein, teilweise auch zu Durchfall. In weiterer Folge kommt es häufig zu einer Lymphknotenschwellung. Im zweiten Krankheitsstadium kommt es zum Auftreten eines pockenähnlichen Exanthems.

Der Ausschlag beginnt in der Regel innerhalb von ein bis drei Tagen nach Beginn des Fiebers. Die Läsionen können flach oder leicht erhaben sein, mit einer klaren oder gelblichen Flüssigkeit gefüllt sein und dann verkrusten, eintrocknen und abfallen. Die Anzahl der Läsionen bei einer Person kann von einigen wenigen bis zu mehreren Tausend reichen. Der Ausschlag tritt vor allem im Gesicht, an den Handflächen und Fußsohlen auf. Der Ausschlag kann aber auch am Mund, an den Genitalien und an den Augen auftreten. Nach zwei bis vier Wochen verschwinden diese Ausschläge in der Regel wieder.

Sind Komplikationen oder schwere Verläufe möglich?

Leider ja. Die offenen Hautläsionen können sich entzünden und mit Bakterien superinfiziert werden. Auch eine Infektion der Augen mit Sehverlust ist möglich, selten tritt eine Lungenentzündung auf.

Gefährdet sind vor allem Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem oder Menschen, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. In Afrika sind tödliche Verläufe bei bis zu 10% der Fälle beobachtet worden, diese Zahl ist aber nicht auf unsere Lebensbedingungen übertragbar.

Wie erfolgt die Übertragung?

Die Übertragung vom Tier auf den Menschen kann durch Tierbiss oder durch direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines infizierten Tieres erfolgen.

Die Übertragung von Mensch zu Mensch kann durch engen körperlichen Kontakt mit einer Infizierten Person erfolgen. Besonders ansteckend sind Hautausschlag, Körperflüssigkeiten (wie Flüssigkeit, Eiter oder Blut aus Hautläsionen) und Schorf. Aber auch der Speichel kann infektiös sein, wenn der Patient entsprechende Läsionen im Mund hat.

Die Inkubationszeit beträgt zwischen 7 und 21 Tagen. Menschen mit Affenpocken sind ansteckend, solange sie Symptome haben (in der Regel zwei bis vier Wochen lang). Ob auch Menschen ohne Symptome das Virus übertragen können, ist noch unklar.

Gibt es eine Therapie?

Meist ist nur eine symptomatische Therapie angezeigt. Die Läsionen werden entsprechend gepflegt und sauber gehalten, bis sie spontan abheilen. In schweren Fällen kann ein Vaccinia-Immunglobulin eingesetzt werden.

Das antivirales Medikament Tecovirimat, das zur Behandlung von Pocken entwickelt wurde , ist seit Januar 2022 auch für die Behandlung von Affenpocken zugelassen.

Gibt es eine Impfung?

Es gibt mehrere Pocken-Impfstoffe, die auch einen gewissen Schutz vor Affenpocken bieten. Der ursprüngliche Pockenimpfstoff ist nicht mehr erhältlich, Menschen unter 40 Jahren sind somit in der Regel nicht geimpft, da die Pockenimpfung in den 70er Jahren eingestellt wurde, nachdem die Krankheit als ausgerottet galt. In der Europäischen Union ist ein Pocken-Impfstoff zugelassen, der modifiziertes Vacciniavirus beinhaltet.

Welche behördlichen Maßnahmen gelten aktuell?

Bei nachgewiesenen Fällen wird von der zuständigen Gesundheitsbehörde ein Contact-Tracing mit den engsten Kontakten durchgeführt.

Informationen des Gesundheitsministeriums finden Sie unter www.pocken.at, die Fachinformation für medizinischen Fachpersonal können Sie HIER HERUNTERLADEN.


Transport von Patienten

Sollten Einsatzkräfte oder 141-Nachtärzte mit einem Affenpocken-Verdachtsfall konfrontiert werden, dann bitte strikt an die publizierten Regelungen halten, die in enger Abstimmung mit der Landessanitätsdirektion laufend aktualisiert werden.

Ein Transport mit einer Sonderinfektionseinheit ist nicht erforderlich, sowohl Verdachtsfälle also auch virologisch bestätigte Erkrankungsfälle werden vom Regelrettungsdienst unter Einhaltung der diesbezüglichen Vorgaben transportiert.

Prävention einer Übertragung

Bei Auftreten von Verdachts- und bestätigten Fällen wird folgendes Vorgehen zur Prävention der Übertragung empfohlen:

Hygienemassnahme vor/während Patientenkontakt (Versorgung, Transport):

  • Schutzkleidung für Personal:
    • Schutzkittel
    • Handschuhe
    • Augenschutz
    • mindestens FFP2- Maske
  • Patienten sind nach Möglichkeit mit Mund-Nasen-Schutz zu versorgen

Hygienemassnahme nach Patientenkontakt:

  • Ablegen der Schutzausrüstung in Reihenfolge
    1. Schürze
    2. Handschuhe
    3. Maske
    4. Augenschutz
  • Händedesinfektion nach jedem Arbeitsschritt
  • Wischdesinfektion aller Kontaktflächen und Geräte