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Akutversorgungsnachweis (AVN)

Der NÖ Akutversorgungsnachweis ist eine Service von Notruf Niederösterreich, mit der Rettungsdienste nach der Eingabe bestimmter patientenbezogener Informationen in Echtzeit den Vorschlag für das nächstgelegene geeignete und aufnahmebereite Zielkrankenhaus erhalten.

Der Akutversorgungsnachweisist Teil der der sogenannten „Krankenhaus-Webansicht“ und aus allen Landeskliniken unter  www.144.at/webansicht erreichbar.

Wer ist verantwortlich für die Auswahl der Zielklinik?

Der NÖ Akutversorgungsnachweis kann aufgrund der eingegebene Daten und der hinterlegten Kapazitäten eine qualifizierten Vorschlag erstellen. Trotzdem ist die Fahrzeugmannschaft bzw. der Notarzt immer für die Entscheidung der Zielklinik verantwortlich. Das gilt auch für einen Ausfall des Systems oder wenn ein kein geeignetes Krankenhaus vorgeschlagen werden kann.

Welche Leitsymptome sind im System hinterlegt?

Das System beinhaltet ca 160 Leitsymptome und Diagnosen, die je nach Kontext mit einer unterschiedlichen Anzahl von synonymen Begriffen ergänzt sind. Jedem Leitsymptom muss zusätzlich, abhängig vom Patientenzustand, das Attribut „kritisch“ und/oder „unkritisch“ zugeordnet werden. Die Symptome sind nur soweit im Detail ausgeprägt als eine korrekte Klinikempfehlung möglich ist und ersetzt daher auch nicht eine möglicherweise genauere rettungsdienstliche oder notärztliche „Verdachtsdiagnose“.
Die genaue Auflistung der Leitsymptome ist für alle Kliniken auf den Krankenhaus-Onlineansichten im Bereich „Akutversorgung“ -> „Leistungsangebot“ dargestellt. Hier können auch Änderungen hinsichtlich der grundsätzlichen Versorgungsmöglichkeit im eigenen Klinikum eingegeben werden.

Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl „kritisch“ oder „unkritisch“?

Die Auswahl erfolgt aufgrund

  • bedrohter Vitalfunktionen ODER
  • einem Zustandsbild, das eine zeitkritische und unmittelbare Diagnostik und/oder Intervention erfordert

Beispiele für Kritische Patienten:

Airway:
• Bedrohter oder invasiv gesicherter Atemweg (intubiert, LMA, LTS,…)

Breathing:
• beatmet (NIV oder invasiv)
• Respiratorische Insuffizienz

Circulation:
• Neue aufgetretene bedrohliche Rhythmusstörung
• Jede Form von Schock
• nicht kontrollierte/kontrollierbare Blutung

Disability:
• Neu aufgetretenes neurologisches Defizit
• Status epilepticus

Expose:
• nicht beherrschbare Schmerzsymptomatik (VAS >7)

Kritischer Patient unabhängig von Leitsymptomen:

  • Schwerwiegender Unfallmechanismus: Sturz aus großer Höhe, Tod eines anderen Fahrzeuginsassen, Herausgeschleuderte Person, Frontalaufprall mit Intrusion > 50cm
  • penetrierende Verletzungen in der Rumpf-/Hals-Region
  • Frakturen von mehr als 2 proximalen Knochen
  • 2.- und/oder 3.-gradige Verbrennung/Verbrühung/Verätzung >10% KOF oder an Hände, Gesicht, Genital
  • Inhalationstrauma
  • Unterkühlung < 33
  • Sepsis

Gefahr der zeitabhängigen, potentiell reversiblen Funktionseinschränkung bzw des Funktionsverlustes:

  • Schlaganfall
  • Herzinfarkt (STEMI oder NSTEMI mit Instabilitätskriterien)
  • potentiell replantationsfähige Amputationsverletzung

Welche Informationen fließen in die Berechnung ein?

Jede Diagnose bzw. Leitsymptom ist mit bestimmten, zur Versorgung erforderlichen personellen und technischen Ressourcen hinterlegt. Auch wiederkehrende Einschränkungen der Betriebszeiten sind hinterlegt. Dadurch ergibt sich die grundsätzliche Versorgbarkeit des Leitsymptoms in einer bestimmten Klinik (Für einen Schlaganfall ist z.B. zwingend ein CT und eine Abteilung für Neurologie/Stroke Unit erforderlich). Aufgrund des aktuellen Standortes werden also nur jene nächstgelegenen Kliniken vorgeschlagen, die grundsätzlich fachlich geeignet und zum jeweiligen Zeitpunkt auch personell und technisch betriebsbereit sind. Im Detail sind folgende Ressourcen berücksichtigt: Schockraum Traumatologisch, Schockraum internistisch, Computertomographie, Notfall-Endoskopie, Herzkatheter.

Wie erfolgt die Information bzw. Vorverständigung der Kliniken?

Alle Informationen werden in der sogenannten „Krankenhaus-Webansicht“ unter www.144.at/webansicht im Bereich „Transportansicht“ dargestellt.

Alle Infos zur Vorverständigung finden Sie HIER

Wann und wie können Ressourcen gesperrt werden?

In der Krankenhaus-Webansicht kann unter dem Punkt „Akutversorgung“ die Verfügbarkeit der eigenen Ressourcen eingestellt werden.

Sperren sollen nur dann erfolgen, wenn eine Akutversorgung in diesem Bereich ausnahmsweise technisch oder personell nicht möglich ist. (Grundsätzlich ist gemäß §2b(1) NÖ Krankenanstaltengesetz die jederzeitige Verfügbarkeit fachärztlicher Akutversorgung anstaltsbedürftiger Personen im jeweiligen Sonderfach sicherzustellen). Dazu ist zwingend der verantwortliche/bevollmächtigte Mitarbeiter und der Grund der Sperre einzutragen.

Auch geplante Sperren (Wartung, etc.) können eingegeben werden.

Alle Sperren werden im zeitlichen Verlauf dokumentiert und sind für alle anderen Kliniken und die Landesklinikenholding sichtbar.

Ist ein Notfallpatient für einen Schockraum angemeldet, wird dieser automatisch bis zum Eintreffen des Patienten und darüberhinaus noch eine Stunde gesperrt.

Welchen Einfluss haben Bettenkapazitäten auf die Empfehlung des Zielklinikums?

Der Akutversorgungsnachweis befasst sich ausschließlich mit Versorgungskapazitäten. Die Anzahl freier Betten auf Normal- oder Intensivstationen wird nicht berücksichtigt, da es ja um die rasche Versorgung geht und nicht wo der Patient schlußendlich liegt.

Warum werden in der Webansicht keine Notarzteinsatzfahrzeuge angezeigt?

Das System arbeitet ausschließlich mit Fahrzeugen die Patienten transportieren. Daher muss formal der Rettungswagen die Zielklinik auswählen, auch wenn das natürlich an Absprache mit einem begleitenden Notarzt erfolgt. Notarzthubschrauber als transportierende Ressourcen werden angezeigt.

Gibt es Besonderheiten bei Kindern?

Kinder werden aktuell in die Altersklassen Kleinkind (0-5) und Kind (5-18) eingeteilt. Für Kinder werden grundsätzlich Abteilungen für Kinderheilkunde vorgeschlagen, Ausnahmen sind verletzte Kinder und einige spezielle Leitsymptome.


Alle Infos zu LeoDok findet man gesammelt HIER

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